Multiperspektive – Mit mehreren Perspektiv-Figuren schreiben

Wer kennt es nicht? Du schreibst an deiner Geschichte und willst Szenen beleuchten, in denen dein Hauptcharakter nicht anwesend ist. Oder du kannst dich nicht entschieden, wer dein Hauptcharakter sein soll. Oder deine Geschichte ergibt nur dann einen Sinn, wenn die Lesenden das Innenleben von mehreren Figuren mitbekommen. Dafür gibt es eine Lösung: Das Schreiben mit mehreren Perspektiv-Figuren!

Nicht sicher, was eine Perspektiv-Figur ist? Schau doch mal in den Beitrag Blickwinkel – Perspektiv-Figuren und ihre Eigenschaften.

Das Schreiben aus mehreren Blickwinkeln bringt Möglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten mit sich. Zunächst solltest du sicher gehen, dass es die Geschichte der Perspektiv-Figuren ist, die erzählt wird. Ist eine Figur kein Hauptcharakter, so eignet sie sich auch nicht als Perspektiv-Figur.

Wichtig ist außerdem, dass du Szenen nicht wiederholst. Amateur-Schreibende machen oft den Fehler, eine Szene aus beiden Blickwinkeln darzustellen, wenn sie mit 2 Perspektiven arbeiten. Dialoge bleiben dabei gleich und auch sonst ändert sich an der Szene nicht viel, außer, dass wir bei einer anderen Figur im Kopf sitzen und durch ihre Augen sehen. Das ist unnötig und oft langweilig – und wird häufig übersprungen.

Wenn du die Gedanken einer anderen Person in einer Szene darstellen willst, obwohl nicht aus deren Sicht geschrieben ist, versuche es mit Beschreibungen von Mimik oder Körpersprache – Reaktionen, die deine Perspektiv-Figur interpretieren kann.

Ein weiterer Punkt ist die Beziehung zwischen deinen Perspektiv-Figuren. Es muss eine Beziehung zwischen ihnen geben, sonst könntest du für jede ein eigenes Buch schreiben. Oft dauert es eine Weile, bis Figuren aus verschiedenen Perspektiven sich begegnen – hierbei sprechen wir von verschiedenen Handlungssträngen. Es muss keine persönliche Begegnung sein. Vielleicht überhört die eine Figur ein Gerücht über die andere oder liest einen Artikel in der Zeitung, der von der anderen Figur geschrieben wurde. Wichtig ist nur: Es muss eine Verbindung zwischen den Perspektiven geben.

Natürlich brauchst du keine zwei Handlungsstränge, nur weil du mit zwei Perspektiven arbeitest. Bücher wie Das Lied der Krähen oder The Atlas Six kommen mit einem einzelnen Handlungsstrang aus, auch wenn teilweise aus 6 oder mehr Perspektiven geschrieben wird. Physische Nähe hilft dabei. Wenn die Figuren nah beieinander leben, reicht ein einzelner Handlungsstrang, bei dem der Blickwinkel zwischen mehreren Figuren wechseln kann. Bei The Atlas Six wohnen beispielweise alle Hauptcharaktere zusammen im gleichen Gebäude.

Ein großer Vorteil von Multiperspektiven ist, dass der Handlungsstrang sich jederzeit teilen kann. Meist passiert das, wenn physische Distanz zwischen die einzelnen Perspektiv-Figuren kommt.

Oft erleben wir auch in Büchern, dass mehrere einzelne Handlungsstränge zu einem einzelnen verschmelzen, wenn sich die jeweiligen Perspektiv-Figuren begegnen und ihren Weg gemeinsam fortsetzen.

Hier sind dir kaum Grenzen gesetzt: Bei der Multiperspektive können sich die verschiedenen Perspektiv-Figuren begegnen und in allen möglichen Konstellationen wieder aufteilen. Wichtig bleibt nur immer: Es muss eine Verbindung zwischen den einzelnen Perspektiv-Figuren geben.

Mehrer Perspektiven setzen den Wechseln zwischen den einzelnen Perspektiven voraus. Wichtig hierbei ist, deine Geschichte diktiert, wann das passiert. Du musst nicht mit jedem Kapitel wechseln oder immer die gleiche Reihenfolge eibehalten. Überlege dir, bei welchem Charakter gerade etwas passiert, was relevant ist und was die Lesenden als nächstes erfahren sollen.

Ein Perspektivwechsel kann jederzeit stattfinden. Die meisten kombinieren sie mit dem Anfang eines neuen Kapitels. Du musst aber nicht unbedingt ein neues Kapitel anfangen. Wichtig ist nur ein Szenenwechsel. Selbst wenn wir uns noch im selben Raum bei denselben Charakteren befinden: Ein Perspektivwechsel ist immer auch der Beginn einer neuen Szene.

Es gibt bestimmte Momente in der Geschichte, die sich besonders anbieten. Bei mehreren Handlungssträngen eignen sich die Berührungspunkte. Wir betreten die Szene mit einer Perspektiv-Figur und verlassen sie anschließend mit einer anderen. Oder Charakter A sieht einen Bericht im Fernsehen. In der nächsten Szene sind wir bei Charakter B im Studio.

Multi-Perspektiven können sich gegenseitig ergänzen. Eine Perspektive kann Aufschluss über eine Frage geben die in der anderen Perspektive aufgeworken wurde. Wichtig hierbei: Nur weil deine Leserschaft etwas erfährt, wissen es deine Figuren nicht automatisch auch. Eine Figur bekommt immer nur das mit, wobei sie auch anwesend ist. Der Informationszusatz bietet sind also besonders bei Fragen an, die die deine Leserschaft, aber nicht deine Figuren stellen (z.B. wenn wir uns in einer neuen Welt befinden, über die die Figuren bereits Bescheid wissen).


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