„Wir sehen uns morgen“, sagte Laura.
Ja, wir wissen, dass hier etwas gesagt wird. Es steht schließlich in Anführungszeichen. ‚Sagen‘ ist ein nichtssagendes Wort. Es drückt eine neutrale Handlung aus – keine Emotionen, keine Hinweise über die Lautstärke, gar nichts. Es gibt bessere Worte! Betrachten wir verschiedene Aspekte, die Redebegleitsätze beeinflussen:
Lautstärke
Die Laustärke, in der gesprochen wird, kann viel über die Situation aussagen, in der sich eine Person befindet. Vielleicht stehen die Personen weit auseinander und müssen lauter sprechen. Oder sie befinden sich an einem Ort, an dem man leise sprechen sollte, z.B. in einer Kirche oder einem Klassenzimmer während einer Unterrichtsstunde. Vielleicht wollen die Sprechenden auch vermeiden, von anderen Personen belauscht zu werden.
Lautstärke kann aber auch über die Gesprächsteilnehmer Auskunft geben. Eine Person, die heiser ist, wird leiser sprechen. Mit einer schwerhörigen Person spricht man dagegen tendenziell lauter. Wie immer, wenn Figuren auftreten, werden sie auch beim Sprechen über ihr Verhalten charakterisiert.
Dazu sagt die Lautstärke einiges über die aktuelle Stimmung der Personen aus, sowie die Beziehung der Sprechenden zueinander.
| mit den Lippen Worte formen (tonlos) | flüstern/wispern | zischen |
| In Situationen, in welchen kein Geräusch gemacht werden darf, bzw. man eine Person nur sieht und nicht hört | Stimmlose Äußerung durch Luft; für leise Gespräche, die nicht überhört werden sollen oder um niemand anderen zu stören | Energisches ‚lautes‘ Flüstern; meist verwendet für kurze Einwürfe oder Warnungen |
| murmeln | sagen | rufen |
| Stimmhaft aber leiser als normal; häufig verwendet für Selbstgespräche, ausgesprochene Gedanken von Figuren oder Kommentare die keine Antwort brauchen | Neutral/Zimmerlautstärke; theoretisch fast immer verwendbar und daher nicht aussagekräftig | Kleiner Abstand zwischen Sprechenden; häufig beim Zusammentreffen oder Verabschieden von Charakteren |
| schreien | brüllen |
| Laut; meist eher unfreundlich, kann auch ein Geräusch (ohne Worte) sein, kann auch kindlich (von einem Baby) sein | Steigerung von ‚schreien‘, lauter geht es nicht mit der menschlichen Stimme; fast immer ein Zeichen von starken Emotionen (Wut, Verzweiflung) oder physischen Schmerzen, kann auch ein Geräusch (ohne Worte) sein, kann auch kindlich (von einem Baby) sein |
Kontext
Der Redebegleitsatz kann mit dem gewählten Verb auf den Kontext in der Szene hindeuten. Sind die Gesprächsteilnehmer vielleicht außer Atem? Lachen sie? Weint jemand? Wie sind die Figuren gelaunt? Das alles kann (und sollte) auch in der wörtlichen Rede deutlich werden.
!Achtung! Nicht alle ‚gängigen‘ Verben eigenen sich, um wörtliche Rede zu begleiten.
„Das ist lustig!“, lachte Mark – NEIN, man kann Worte nicht lachen. Vielleicht kann man sie beim Lachen ‚prusten‘ oder Worte zwischen Lachern ‚hervorpressen‘.
„Ich kann nicht mehr!“, keuchte Lina – VORSICHT, Keuchen ist eine Art zu atmen, nicht zu sprechen. Man kann Worte zwischen angestrengten Atemzügen ‚hervorstoßen‘. Das Verb „keuchen“ wird allerdings auch häufig verwendet, um atemloses Sprechen zu beschreiben.
„Ich finde das super“, lächelte Paul – NEIN, bei geräuschlosen Verben wie ‚Lächeln‘ gilt immer: Was kein Geräusch macht, kann auch keine Worte beinhalten!
Vorsicht bei Verben, die zwar Geräusche beschreiben, aber nicht unbedingt Worte enthalten müssen. Manche eignen sich zum Beschreiben einer Sprechhandlung, andere nicht.
Ohne Redebegleitsatz
Im Idealfall ist der Redebegleitsatz gar nicht notwendig. Eine Dozentin an meiner Universität erklärte mir einmal „Wer mehr Zeit hat, schreibt weniger.“ Damit meinte sie, dass bei der Überarbeitung unnötige Textteile gestrichen werden. Die Stimmung ist deutlich? Die Situation klar? Alle wissen, wer spricht? Dann ist kein Redebegleitsatz notwendig. Wie gesagt: Dass gesprochen wird ist schon durch die Anführungszeichen klar.
Außerdem: Redebegleitsätze bremsen die Handlung aus, da sie etwas beschreiben, was Lesende ohnehin mitbekommen (da sie die wörtliche Rede ebenfalls lesen). Daher gilt besonders in schnellen, actionreichen Szenen: Wo möglich, den Redebegleitsatz vermeiden!
Aber wie formuliert man so, dass ein Redebegleitsatz unnötig wird? Drei Dinge müssen Lesenden bewusst sein: RednerIn (Wer), Stimmung (Wie) und Situation (unter welchen Umständen).
Betrachten wir diesen Szenenausschnitt:
Eilig duckte Lena sich hinter die Mauer. Finn war ihr so dicht auf den Fersen, dass er sie beinahe umrannte, als er sich zu ihr hockte.
„Tut mir leid!“
„Schhht!“
Aus dem Kontext wissen wir, wer spricht, denn wir wissen: Finn hat einen Grund sich zu entschuldigen. Lena möchte sich verstecken.
Was aber, wenn der Kontext fehlt? Man kann Redebegleitsätze durch andere Sätze ersetzen, durch die ebenfalls deutlich wird, wer gerade spricht. Sehen wir uns nur den letzten Teil an:
„Tut mir Leid!“ Er stützte sich an der Mauer ab.
„Schhht!“ Lena duckte sich noch tiefer.
Wir ersetzen den Redebegleitsatz durch direkten Kontext. Wenn eine Figur (oder ein eindeutiges Referenzpronomen wie „sie“) direkt mit wörtlicher Rede verwendet wird, schließen Lesende darauf, dass die entsprechende Person redet.
Betrachten wir nun den ganzen Ausschnitt:
Eilig duckte Lena sich hinter die Mauer. Finn war ihr so dicht auf den Fersen, dass er sie beinahe umrannte, als er sich zu ihr hockte.
„Tut mir Leid!“ Er stützte sich an der Mauer ab.
„Schhht!“ Lena duckte sich noch tiefer.
Was wissen wir nach dem Lesen diese Ausschnittes über die Situation und die Figuren?
- Die beiden wollen nicht bemerkt werden
- Lena hat scheinbar das Sagen – war das Ganze ihre Idee?
- Finn ist tollpatschig (rempelt Lena fast an und redet zu laut)
Die Charakterisierung durch Redebegleitsätze kann also durch Kontext ersetzt werden.
Merke: Redebegleitsätze brauchst du, wenn du die Beziehung der Figuren, die Lautstärke, die Stimmung oder den Kontext verdeutlichen willst. Sonst kann man sie vermeiden!
Das Wort „sagen“ kann nichts von alledem – daher ist es in aller Regel unnötig und vermeidbar.


Schreibe einen Kommentar