
Es ist nur ein Spiel…
„Caraval“ ist Band 1 einer Fantasy-Trilogie von Stephanie Garber. Auf Deutsch erschien es am 26.01.2023 im Piper-Verlag. Zum Buch auf der Verlagswebsite geht es hier.

„Caraval“ ist ungewöhnlich, bunt, chaotisch und spielt nach eigenen Regeln – die dir aber niemand verrät! Wenn du alles haben kannst, was du willst, was würdest du dir wünschen?
Scarlett wollte schon immer zu Caraval – dem großen Spiel voller Magie und Zauber und dem Versprechern einer großen Belohnung für den Sieger. Schon seit sie ein Kind war hat sie Legend, dem Veranstalter geschrieben. Als sie schließlich eine Einladung bekommt, ist sie jedoch alles andere begeistert. Sie soll bald heiraten und eine solche Reise passt jetzt gerade gar nicht. Ihre Schwester Tella findet es allerdings toll – und bittet ihren Liebhaber kurzerhand ihr zu helfen Scarlett zu entführen.
Caraval verspricht viel, auch wenn man es nicht gewinnt. Eine Weile der Realität entfliehen. Eine Möglichkeit zur Flucht in ein besseres Leben. Aber es steckt auch voller Illusionen. Was ist real und was nicht?
Als ihre Schwester Tella verschwindet, will Scarlett sie nur möglichst schnell finden und rechtzeitig zu ihrer Hochzeit wieder zuhause sein. Bald erkennt sie jedoch, dass die einzige Möglichkeit, die sie dazu hat, das Spiel zu gewinnen. Und das kann sie unmöglich allein.
Wem kann Scarlett vertrauen, wenn jeder Mensch, den sie trifft, ein Schauspieler sein könnte? Und wie weit kann sie glauben, dass es sich um ein harmloses Spiel handelt, wenn um sie herum Menschen verletzt, wahnsinnig oder sogar getötet werden?
Es ist nur ein Spiel. Aber warum fühlt es sich dann so real?
Allgemeines:
- 978-3-492-70821-0 (Taschenbuch)
- Länge: 400 Seiten (Taschenbuch)
- Auf KU: nein
- Originalsprache: Englisch
- Sprache der gelesenen Fassung: Deutsch (übersetzt von Diana Bürgel)
- Vorhandene Formate dieser Fassung: E-Book, Hardcover, Taschenbuch, Hörbuch
- Veröffentlicht: 26.01.2023
Generelles Inhaltliches:
- Genres: High Fantasy
- Spice: nein
- Queer Rep.: nein
- Geschwindigkeit im Vergleich zur Länge der Geschichte: medium
- Handlungsstränge: 1
- Blickwinkel/PoVs: 1 (Scarlett)
- Erzählstil: personal (er/sie)
Spezifisches Inhaltliches: ACHTUNG SPOILER
- Inhaltswarnungen: emotionale und physische Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern, Manipulation, Drohungen, Verletzungen, Blut, Tod
- Diversität bei den Charakteren: vorhanden
- Grundstimmung: Aufbruchsstimmung, angespannt
- Tropes: strangers-to-friends, strangers-to-lovers, only-one-bed
- Relationship(s): Familie, Romantik
Wertung:
Die Bücher werden in 4 Kategorien mit 0 bis 5 Sternen bewertet, halbe Sterne sind möglich. Die Kategorie Schreibstil zählt nur ein Drittel so viel wie die anderen. Die Gesamtwertung ergibt sich rechnerisch.
Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich bei der Wertung jeweils um die persönliche Meinung der Person handelt, die den Blogeintrag verfasst hat.
(10%) Schreibstil: 3,5⭐
(30%) Charakter(e) (und -entwicklung): 3⭐
(30%) Setting/Worldbuilding: 3⭐
(30%) Handlung/Plot: 3⭐
(100%) Gesamtwertung: 3,05⭐
Altersempfehlung: ab 13 Jahren (Darstellung und Themen für Jugendliche geeignet)
„Caraval“ ist als Fantasy-Buch ungewöhnlich. Es gibt keinen klaren Antagonisten und auch das Ziel der Geschichte ist lange unklar. Dass es nicht mit dem endet, was die Protagonistin ursprünglich wollte, ist schnell klar.
Das Setting lebt davon, dass es weder von Lesenden noch von der Protagonistin vollständig verstanden wird. Dementsprechend ist das Worldbuilding lückenhaft und wirkt unvollständig – obwohl es das wahrscheinlich nicht ist.
„Caraval“ erklärt sein Magiesystem nicht, genauso wenig seine Regeln oder gesellschaftlichen Konventionen. Das sorgt dafür, dass Lesende ein bisschen ‚in der Luft hängen‘ und dort auch hängen gelassen werden.
Der Schreibstil ist leicht verständlich. Es gibt kein „Fantasy-Vokabular“ oder hochtrabende Ausdrucksweise, die das Lesen erschwert. Es liest sich tatsächlich mehr wie ein Jugendbuch. Wer sich eine anspruchsvolle Lektüre erhofft, wird sie hier nicht finden.
Die Charaktere sind recht oberflächlich und haben kaum Tiefgang. Besonders die Protagonistin ist naiv (was bei ihrer Vorgeschichte verständlich ist), was sehr frustrierend ist. Sie macht plötzlich eine komplette Wandlung durch, die weder nachvollziehbar noch passend ist. Dazu kommt, dass die Romanze zwischen ihr und dem männlichen Lead-Charakter plötzlich auftaucht. Von „fass mich nicht an“ zu „ich bin in dich verliebt“ in unter 10 Seiten wirkt unrealistisch und stört das Pacing der Geschichte.
Auch wenn die Handlung nicht besonders langsam im Vergleich zu ihrer Länge ist, zieht sie sich dennoch in die Länge. Das könnte möglicherweise auch daran liegen, dass ich mich nicht mit den Charakteren identifizieren konnte.
Das Ende der Geschichte soll vermutlich als Plottwist herhalten, aber auch wenn man es nicht vorhersieht, ist es unspektakulär.
Für mich persönlich gibt es zu viele zweite und dritte Chancen in der Geschichte und zu wenig Charakterentwicklung, dazu fühlt sich die Handlung eingeengt an und hat weder Zeit noch Raum sich zu entfalten. Ich hoffe, dass Band 2 ohne die Einschränkungen von Band 1 mehr aus dieser ungewöhnlichen Idee macht.
„Caraval“ ist empfehlenswert für jüngere Lesende, die einen Übergang von Jugendliteratur zu YA suchen. Wer Romantasy oder klassische High Fantasy erwartet, sollte sich nach anderen Büchern umsehen.




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