Die ideale Welt für den Soziopathen

Varg ist ein Soziopath mit Sozialphobie. Die Zombieapokalypse ist eine willkommene Abwechslung in seinem Leben…

„Die Ideale Welt für den Soziopathen“ ist eine bisher 14-teiligen LitRPG-Reihe von Oleg Sapphire. Teil 1 erschien auf Deutsch am 27. Oktober 2023 im Verlag Magic Dome Books.

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Die ideale Welt für den Soziopathen erzählt vom Ende der von Menschen bewohnbaren Welt. Und das aus der 1. Reihe! Menschen reagieren auf die Zombie-Apokalypse vollkommen unterschiedlich. Zwischen überlebenden Hilfsbedürftigen und absoluten Psychos ist diese Geschichte gleichzeitig auf psychologischer Ebene ansprechend – und vollkommen absurd.

Igors Leben ist langweilig, seit er seinen Job verloren und von seinem Sportverein wegen Dopingvorwurfs rausgeworfen wurde. Er kann nicht viele Dinge gut, schon gar nicht mit Menschen umgehen. Deswegen passt es ihm ganz gut in den Kram, als von einem Tag auf den anderen die Zombieapokalypse ausbricht – und mit ihr die Anarchie in Form eines interplanetaren RPG.

Unter dem Nickname Varg lernt Igor die neue Realität und das „System“ kennen, das nun seine Welt kontrolliert. Zombies töten Menschen und werden von lauten Geräuschen angezogen. Für ihn als Bogenschützen kein Problem. Problematisch ist, dass das System ihm Patronen, aber keine Pfeile zur Verfügung stellt. Oh, und das die überlebenden Menschen in seiner Nachbarschaft es auf ihn abgesehen haben.

Varg hat keine Angst vor dem Tod. Nur davor, dass ihm langweilig werden könnte. Und davor, von Menschen angestarrt zu werden. Trotzdem schließt er sich bald einer Gruppe Soldaten an, die ohne ihn vollkommen aufgeschmissen wären. Er ist stärker als sie, kämpft besser als sie und ist unvorsichtiger – was in dieser neuen Welt von Vorteil ist.

Was andere furchterregend finden, ist für Varg interessant. Was sie für makaber halten, hält er für lustig. Seinen neuen Freunde sind von seinen Fähigkeiten abhängig und lassen ihn daher machen, was er will.

Das Einzige, was ihn vielleicht noch in die Knie zwingen kann, ist die Frau, mit der er sich ein Zimmer teilen muss. Und deren Tochter. Beide treiben ihn mental an seine Grenzen.

Varg ist sich sicher, dass ihn alle für einen extrem starken Soziopathen halten, der sie sofort umbringen könnte, wenn er wollte. Eine Beschreibung, die durchaus den Tatsachen entspricht. Aber je länger er mit anderen Menschen zusammenwohnt, desto mehr gewöhnt er sich an sie.

Es dauert nicht lang, bis seine strikte Einteilung in „Freunde“ und „Feinde“ von der Kategorie „Meine Menschen“ ergänzt wird. Und ein Soziopath verteidigt, was ihm gehört. Wenn nötig, mit so viel Gewalt, dass es niemand wagt, es jemals wieder anzurühren.

Varg hat andere Moralvorstellungen als normale Menschen. Er nimmt die Welt anders wahr. Aber solange seine Verbündeten sich an seine Regeln halten, haben sie nichts zu befürchten, denn einer Regel folgt er immer: Varg überschreitet niemals zuerst eine Grenze. Aber er wartet auf der anderen Seite um jedem den Kopf abzureißen, der es tut.

„Die Ideale Welt für einen Soziopathen“ wird aus der Sicht eines gesellschaftlichen Außenseiters erzählt. Er denkt nicht wie andere Menschen, fühlt sich nicht wie andere Menschen und mag andere Menschen im Allgemeinen nicht. Die einzigen Menschen, denen gegenüber er sich normal verhalten kann, sind Kinder.

Einem solchen Kind das Leben zu retten gibt seinem Leben eine neue Perspektive: Vielleicht ist Gesellschaft gar nicht so schlecht. Jedenfalls nicht, solange man sich seine Unabhängigkeit beibehalten kann und niemand sich traut etwas gegen dich zu sagen.

Dieses Buch spielt mit schwarzem Humor und einem erfrischend neutralen Blickwinkel auf die Grausamkeiten der Apokalypse. Gleichzeitig werden die Reaktionen anderer Personen auf den Protagonisten so beschrieben, dass Lesende sie verstehen können – auch wenn Protagonist Varg es nicht tut.

An diesem Buch hat mir besonders gefallen, dass wir es mit einem overpowered Protagonist zu tun bekommen. Varg ist seinen Gegnern überlegen. Immer. Er ist schneller, stärker und furchtloser, zumal er Zombies töten als Hobby und die gefährlicheren Ecken der Welten als interessante Herausforderungen betrachtet. Konflikt entsteht in dieser Geschichte durch die Psyche des Protagonisten. Niemand weiß, wie er auf etwas reagieren wird oder wie weit er bereit ist zu gehen. Er genießt es, bewundert zu werden und fürchtet nicht mehr, als beachtet zu werden.

Diese Geschichte eignet sich für Lesende, die sich gern mit den Protagonisten auseinandersetzen, zumal sie weder mit einer besonders interessanten Handlung noch mit einem nachvollziehbaren Worldbuilding punkten kann. Ich würde dieses Buch Fans von V. E. Schwabs „Vicious“ und Matt Dinnimans „Dungeon Crawler Carl“ empfehlen.


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